27. August 2019

Wie findet man als Studienanfänger*in die/den richtige(n) Gesangsprofessor*in ?

Auch wenn du in der Schulzeit schon auf der Bühne gesungen hast: Berufssänger*in werden ist etwas anderes und verlangt eine ganz sichere und gesunde Basis, damit du diesen schwierigen Beruf jahrzehntelang ausführen kannst.

Im Germanistikstudium und bei den meisten Geisteswissenschaften suchst du einen Studienplatz, als Sänger*in suchst du nicht einen Platz und auch nicht eine Stadt, du suchst einen bestimmten Menschen! Dein Hauptanliegen im Bachelorstudium ist eine stabile, gesunde Gesangstechnik, und dafür ist einzig und allein der Hauptfachlehrer/die Hauptfachlehrerin zuständig. Du siehst ihn/sie 2-3mal pro Woche und es ist 1:1- Unterricht. Wenn die Kombination mit ihm/ihr nicht stimmt, wirst du im Studium nicht glücklich sein.

Ein trauriger Vogel singt nicht!

„Ich kann ja immer noch wechseln“ magst du denken – ja, kannst du vielleicht, aber erst ein Stück in die falsche Richtung zu fahren bedeutet auch, zuerst wieder ein Stück zurückzufahren, bevor man die richtige Abzweigung nimmt. Und die eng getakteten Bachelor- und Masterstudiengänge lassen leider kaum Zeit zum Scheitern.

Wie gehst Du am besten vor?

Es ist wie in der Schule: ohne Recherche wird man nicht klug, also los mit dem 4-Punkte-Programm:

  • 1. Recherche über Hochschulen
  • 2. Recherche über Gesangsabteilungen
  • 3. Kontaktaufnahme (Mails schreiben)
  • 4. Hospitation und Vorsingen

1. Betreibe Recherche über die Möglichkeiten in Deutschland Gesang zu studieren

Du brauchst mindestens 2-3 Tage Zeit! Es gibt in Deutschland 24 (!) staatliche Musikhochschulen. Auf einer Internet-Seite haben sie sich zusammengeschlossen, und ich empfehle dir, hier mit deiner Recherche zu beginnen:

www.die-deutschen-musikhochschulen.de

 

Es gibt dort eine Übersicht über alle Institutionen und sogar eine Karte um zu schauen, wo sie liegen. Du siehst, es gibt viel mehr, als du gedacht hattest!

 

Was Dir das bringt?

Du kannst über diese Seite zur Website aller Musikhochschulen kommen und du findet eine kurze Beschreibung über jede Hochschule, ihre Schwerpunkte und ihre Besonderheiten.

Nahe an zu Hause oder weit weg? Wenn du spürst, dass du (noch) in der Nähe deiner Familie wohnen möchtest, dann fang mit deiner Suche bei den Hochschulen in der Nähe deines Wohnorts an. Bist du mutiger, dann kannst du alphabetisch vorgehen und hast natürlich mehr Auswahl.

Nach 2-3 Tagen Herumsurfen brummt dir zwar der Kopf, aber dafür weißt du jetzt, dass es einen Unterschied gibt zwischen

Musikhochschule – hier wird ausschließlich Musik, also Instrumente, Schul- und Kirchenmusik und Gesang unterrichtet.
Hochschule für Musik und Darstellende Kunst – hier werden auch die Studienfächer Schauspiel, manchmal auch Tanz angeboten.
Hochschule für Theater und Tanz – hier gibt es Gesang, Schauspiel und Tanz

Und schon hast du ein Kriterium mehr für deine Suche:
Bei den letzteren kannst du auch über die anderen Künste etwas lernen und
vielleicht schon im Grundstudium mit Schauspieler*innen oder Tänzer*innen Kontakt   aufnehmen – gut für die Öffnung der sängerischen Scheuklappen 😉

Du weißt jetzt auch:

  • dass du in Rostock gleich am Meer bist
  • dass an der UdK Berlin auch bildende Künstler studieren
  • dass in Essen Gestaltung und Wissenschaft dazu gehören
  • dass es in Hannover und Köln Medienstudiengänge gibt

 

Wenn du jetzt komplett verwirrt bist, komm wieder auf dein Ziel zurück:

Du suchst einen Gesangslehrer/ eine Gesangslehrerin, mit der du „gut kannst“ und die dir technisch stabile Grundlagen vermittelt. Im Idealfall suchst du jemanden, der dir Gesangstechnik vermitteln kann und dazu selber eine schöne Karriere gemacht hat oder noch macht und deshalb weiß, wie es sich „draußen“ anfühlt.

2. Gesangsabteilungen untersuchen

Das geht recht gut über die Websites der Hochschulen – die findest du, wie gesagt, über diesen link: https://die-deutschen-musikhochschulen.de/mitglieder/

  • Gehe auf der Seite der Hochschule deiner Wahl auf Studium → Studiengänge → Gesang → Bachelor. Das ist bei fast allen Hochschulen gleich.
  • Suche die Liste der Lehrer, schau dir deren Profile an (deren Websites!).
  • Lies, ob und was sie zu ihrer Unterrichtstätigkeit schreiben.
  • Meist hat die Hochschule/die Gesangsabteilung eine Liste mit „Erfolge der Studierenden“. Dann ist es leicht zu sehen, welcher Lehrername dort öfter auftaucht…

3. Kontaktaufnahme/Mails schreiben

Das machst du am besten zwischen Dezember und März und nicht erst kurz vor der Aufnahmeprüfung – dann hat niemand mehr Zeit!
Ein/e renommierte/r Gesangslehrer*in bekommt s e h r viele Mails von Interessenten. Das soll Dich nicht abhalten! Schreibe die Lehrer*innen, die dich interessieren, an und zwar persönlich.

3-Punkte Plan:

  • 1. Schreibe deine Wunschlehrer*innen (ja, mehr als eine!) mit Namen an,
  • 2. Schreibe etwas über dich und warum du gerne gerade bei ihm/ihr studieren möchtest.
  • 3. In den Anhang packst Du (wenn du hast) eine gute Aufnahme mp3 oder mp4, ein (natürliches!) Foto und einen Lebenslauf!

Gleichlautende Mails an mehrere Lehrer*innen derselben Hochschule zu schicken ist nicht klug – die Kolleg*innen sprechen miteinander und du riskierst, dass niemand antwortet. Wenn du nach 10 Tagen keine Antwort bekommen hast, versuche es ruhig nochmals, in etwa so: „Sehr geehrte Frau/sehr geehrter Herr XY, ich bin mir nicht sicher, ob Sie meine vorige Mail bekommen haben, aber ich würde Ihnen wirklich gerne vorsingen und freue mich über eine kurze Antwort.“ Wenn nach 3mal Schreiben immer noch keine Antwort kommt, dann gibt es wahrscheinlich in dieser Klasse keinen Platz.

Dir bleibt aber dennoch die Möglichkeit bei der Aufnahmeprüfung den Namen deines Wunschdozenten/deiner Wunschdozentin anzugeben.

4. Hospitation / Unterricht besuchen und vorsingen

An dem Tag, an dem du vorsingen kannst, wäre es sinnvoll auch im Unterricht zuzuhören. Meistens ist das möglich, aber es ist besser, du fragst vorher nach. Wenn du einen halben oder ganzen Tag beim Unterricht zuhörst, bekommst du einen Eindruck davon, in welcher Unterrichtsatmosphäre gearbeitet wird und ob dir die gewählte Person menschlich zusagt.

Du kannst danach für dich beantworten:

  • Wie gehen die Studierenden miteinander um?
  • Wird individuell gearbeitet?
  • Geht er/sie auf die Studierenden ein?
  • Singen die Studierenden besser durch die Hilfestellungen?

Höre möglichst ein paar Stunden zu: Jeder hat mal schlechte- und mal Stern-Stunden….

Wenn du dann selber vorgesungen hast:

  • Hast du das Gefühl, dass  dich der Lehrer/die Lehrerin wahrgenommen hat?
  • Hast Du ein ehrliches feedback bekommen?
  • Macht sie/er Vorschläge, was du bis zur Aufnahmeprüfung noch verbessern könntest?

Wenn dir ein Lehrer/ eine Lehrerin sagt, er/sie sei interessiert, dich in die Klasse aufzunehmen, ist das sehr schön, aber leider noch keine Studienplatz-Zusage!
Du musst erst die Aufnahmeprüfung bestehen.

Deshalb ist es wichtig, dass du dich an mehreren Hochschulen bewirbst!

Über die Aufnahmeprüfung gibt es einen eigenen Blog-Beitrag.

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hedwig fassbender
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