14. Februar 2026

GELD

...ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts!

Die Frage nach dem lieben Geld wird dich durch deine Karriere hindurch begleiten, ob du willst oder nicht.

Geld ist ein Zeichen für Respekt deiner künstlerischen Leistung gegenüber. Es sichert deinen Lebensstandard und lässt dich mehr oder weniger ruhig schlafen.

 

Die Gage richtet sich nach:

1. Deinem Marktwert, der sich zusammensetzt aus:

    • der Qualität und Größe deiner Stimme
    • deiner Erfahrung
    • der Größe der Rollen, die du singst
    • deiner Bekanntheit/deinem „Ruhm“

2. Der Größe des Theaters, in dem du auftrittst

3 . Deinem Verhandlungsgeschick/Dem Verhandlungsgeschick deiner Agentur

4. Den finanziellen Möglichkeiten der Theater (!)

Ich möchte zuerst auf den letzten Punkt eingehen und ein wenig ausholen, um die Realität Bühnen in Deutschland zu behandeln, also Staats-, Landes- oder Stadttheater.

Dank der zähen Verhandlungen der GDBA (DANKE!!!) sehen die Gagen der Ensemble-Mitglieder in Deutschland jetzt besser aus: Die Einstiegsgage liegt bei 3.010,- €, (ab dem 1. Mai 2026 bei 3.095,- €), im Tarifbereich TV-L mindestens 3.075,- € monatlich. Ab dem 3. Jahr gibt es 3220€/3285€ monatlich, plus 13. Monatsgehalt und 45 Tage Urlaubsanspruch.

Nachzulesen ist das im für jede/n zugänglichen NV Bühne: https://www.gdba.de/wp-content/uploads/2025/12/Normalvertrag_NV_Buehne_Stand-Januar-2026.pdf

Du genießt darüber hinaus viele Vorteile wie z.B. eine recht gute Altersversorgung (wenn du im System bleibst) und hast im Falle einer Nicht-Verlängerung ein Jahr Zeit, etwas Neues zu suchen. Das heißt, als Ensemblemitglied kannst du, finanziell gesehen, korrekt leben.

Gagen als Gastsänger:in
Wie du sicher mitbekommen hast, wird allerorten an der Kultur gespart, und die Politik ist nicht unbedingt willens, die Budgets der Theater zu erhöhen. Das heißt im Umkehrschluss, dass diese zwar höhere Gagen auszahlen und Tariferhöhungen tragen müssen, diese Zahlungen aber nicht durch Bund/Land/Stadt gegenfinanziert bekommen. Wenn nun aber insgesamt weniger Geld übrig bleibt nach Abzug der Gehälter der Festangestellten, dann ist logischerweise weniger Geld im Budget für Gastsänger:innen. Agenturen sehen sich heute vielfach mit der nachdrücklichen „Empfehlung“ der Träger an ihre Theater konfrontiert, sie mögen ihre Opern mit Ensemblemitgliedern besetzen, um „unnötige“ Ausgaben zu reduzieren; heute gibt es daher auch an Theatern, die früher großzügig Gäste beschäftigt haben, immer weniger Gelegenheiten für Gastsänger:innen.

Ich spreche hier von „normalen“ Opernhäusern, nicht von den wenigen Top-Häusern, in denen Superstars immer noch sehr hohe Gagen fordern können, wenngleich auch diese mittlerweile nicht mehr unbegrenzt hoch sind.

Es gibt von den Kürzungen besonders gebeutelte Städte: wenn momentan eins der Berliner Opernhäuser deiner Agentur schreibt, dass sie beim kommenden Gastspiel froh sind, wenn sie die Gage halten, aber nicht erhöhen können, dann entspricht dies wohl der Wahrheit.

Das heißt, es gibt auch bei Gagenverhandlungen – wenn man denn ein Gastspiel erhascht hat –  immer weniger Spielraum, und der Balanceact beim Verhandeln wird für Künstler:innen/Agenturen noch diffiziler:

Schlussendlich sitzen wir alle (Häuser, Künstler und Agenturen) gemeinsam in diesem Opernboot, und wenn es kentert, ist niemandem geholfen.

Dein Marktwert

Dein Marktwert bestimmt entscheidend den Preis deiner Engagements. Er ist, wie oben gesagt, abhängig von mehreren Faktoren, auf die ich ein wenig eingehen möchte:

Qualität und Größe deiner Stimme:
Ist deine Stimme besonders hoch, besonders tief, besonders laut oder finden die meisten Entscheider:innen sie als besonders schön, dann ist es für dich oder deine Agentur leichter, eine etwas höhere Gage zu fordern, als wenn du zu den „normalen“ Sänger:innen gehörst. Größere Häuser benötigen in den größeren Rollen größere Stimmen, passt uns vielleicht nicht, ist aber so.

Wenn du zu den „normalen“ Sänger:innen gehörst, also zu denen, die einfach nur wunderbar singen, aber über keine der erstgenannten Qualitäten verfügen, ist es noch wichtiger, perfekt vorbereitet zur ersten Probe zu erscheinen, deine Rolle schon mit einer Idee, mit Charakter zu füllen, bevor die Proben beginnen (und dann flexibel genug sein, um evtl. alles wieder über Bord zu werfen). Wer als „weißes Blatt“ kommt und nur brav Töne gelernt hat, wird nicht besonders ernst genommen.

Dein guter Ruf
Hast du dir im Business einen guten und soliden Namen erarbeitet? Dazu gehören eine gleichbleibend hohe technisch-stimmlich-darstellerische Qualität in Vorstellungen ebenso wie die Tatsache, dass man gerne mit dir zusammenarbeitet, d.h. du persönlich integer bist, also nicht über Kolleg:innen oder andere Theater tratschst und dich „freundlich“ zu Kolleg:innen und allen im Theater Arbeitenden verhältst, von der Pforte über die Garderobe, Maske, KBB, Beleuchtung, Technik und die Putzkräfte.
Wenn etwas nicht so läuft, wie du es dir vorstellst, denke immer, dass wir, sobald wir das Theater betreten, wir nicht mehr (nur) als Privatperson agieren. Das bedeutet nicht, dass wir zu allem Ja und Amen sagen sollten, aber es ist ratsam, unsere Person von unserer Funktion als Sänger:in im Theater zu trennen. Ein wenig professionelle Distanz und eine kleine „Schutzschicht“ hält Verletzungen von unserem Kern fern und macht uns stärker in Krisensituationen – und in Verhandlungen.

Größe des Theaters
Größere Häuser haben in der Regel auch höhere Budgets

Verhandlungsgeschick
Es ist ein wenig wie auf dem Flohmarkt: man muss den Kontext kennen, die Ware einschätzen können und Spaß am Verhandeln haben. Aber man muss auch wissen, wann die Grenze erreicht ist, sonst könnte die Tür langfristig zufallen. Manchmal lohnt es sich eher, zu versuchen an den Probengeldern oder der eventuellen Unterkunftspauschale zu drehen als an der Gage selbst.

Wenn du unkündbar bist, musst du jetzt nicht weiterlesen, aber wenn du freischaffend bist oder noch nicht unkündbar, habe ich noch ein paar Anregungen:

Freischaffend – Fette Jahre
Gehen wir mal davon aus, dass du als Freischaffende/r gerade deine „fetten“ Jahre hast und richtig gut verdienst – auch das ist ja durchaus möglich in unserem Job:

HAU NICHT ALLES RAUS! Leg etwas zur Seite, oder investiere in eine Wohnung/ ein Haus, kauf Gold (vielleicht nicht gerade jetzt zum Höchstpreis), lass dich von seriösen Menschen zu Geldanlagen beraten; tu, was zu dir passt, aber HAU NICHT ALLES ‚RAUS!

Zwischen zwei Produktionen kann es sinnvoll sein dich arbeitslos zu melden. Lass dich dazu beraten. Wenn du in Frankreich lebst und den Schutz von „Intermittence du Spectacle“ genießt, bist du im besten System Europas! Nach nachgewiesenen 507 Arbeitsstunden innerhalb der letzten 12 Monate hast du Anspruch auf Unterstützung.

Als Freischaffende/r brauchst du ein finanzielles Polster für schlechte Zeiten, für eine Produktion, die vielleicht ausfällt, weil du schwanger bist oder krank (ja, das sind zwei verschiedene Dinge!), zur Überbrückung, falls eine Produktion verschoben wird oder weil gerade einfach nichts hereinkommt.

Vorsorge
Du brauchst Geld fürs Alter! Die meisten Kolleg:innen haben eine Mischung aus gesetzlicher Rente, der „Münchner Versicherung“, evtl. Renten aus anderen Ländern und privater Vorsorge. Lass dich beraten, wenn du noch nicht 40 bist – je früher du anfängst einzuzahlen, desto niedriger sind die Beiträge in eine private Altersvorsorge.

Wenn du gerne unterrichtest und irgendwann eine Professur erwischen kannst, hast du ausgesorgt, aber bis es so weit ist, MUSST du selber vorsorgen.

Ich will dir keine Angst machen, aber wir sollten mit offenen Augen durchs Leben gehen und nicht denken „es wird schon irgendwie gehen“. Eine Zeitlang geht es sicher, aber wenn du nicht mehr arbeitest/nicht mehr arbeiten kannst, muss das Geld irgendwo herkommen.

Und noch eine kleine Bemerkung:
Kollegen, die freiwillig erzählen, wie wahnsinnig viel sie irgendwo verdient haben, flunkern öfter mal, oder, um es vornehmer auszudrücken, sie korrigieren ihre Zahlen nach oben, um besser dazustehen. Lass dich nicht beeindrucken! Und wenn du selber gerade viel verdienst – behalt es für dich.

Freischaffend arbeiten an Theatern des Bühnenvereins – TV Gast
Für die Gäste an Theatern regelt der TV Gast die Eckpfeiler der Verhandlungen von Gästen an Theatern, die Mitglieder des Deutschen Bühnenvereins sind; Gagen, die über diese Empfehlungen hinausgehen, sind nach wie vor Verhandlungssache, s.o.

Der TV Gast ist eine kleine Sensation; es ist der erste Tarifvertrag für Gastkünstler:innen an Theatern mit Arbeitnehmer:innen-Status. Er trat erstmals zum 1. Juni 2025 in Kraft. Für freie Künstler:innen, die produktionsbezogen an Mitgliedsbühnen des Deutschen Bühnenvereins beschäftigt werden, legt der TV Gast nun tarifliche Regelungen fest.

Die Regelungen beziehen sich auf:

  • Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall
  • Gewährung von Urlaubstagen für Gäste
  • Zahlung von Ausfallgagen bei der Absage von Vorstellungen durch die Bühnen.

Das bedeutet, dass nun auch nicht ständig beschäftigte Solist:innen, Chorist:innen und Tänzer:innen Anspruch auf Urlaub haben, wenn sie mindestens 26 Beschäftigungstage vertraglich vereinbart haben. Im Fall von Krankheit erhalten sie ein Entgelt, das sich nach der Größenordnung richtet, die im Tarifvertrag festgelegt wurde. Und wenn eine Bühne eine Vorstellung absagt, wird eine Ausfallgage gezahlt, deren Höhe sich nach dem Absagezeitpunkt staffelt.

Die Freie Szene
Die NVs beziehen sich auf Verträge an Theatern, die Mitglied des Deutschen Bühnenvereins sind und (leider) nicht auf Verträge innerhalb der Freien Szene, wo (ausgezeichnete) Bühnenkünstler:innen oft für 300€ oder (bedeutend) weniger Vorstellungsgage auftreten.

In der Oper sind die Gagen VIEL höher als in Schauspiel oder Tanz. Das heißt nicht, dass wir aufhören sollten zu kämpfen, aber unser Kampf muss den Überblick behalten und auch politisch sein/werden, denn wenn die Politik die Gelder streicht, bleibt für niemanden mehr etwas übrig! Das mindeste was wir tun können, ist der GDBA beizutreten und den kleinen Monatsbeitrag (1% des Brutto-Gehalts) zu zahlen, um damit den Kolleginnen und Kollegen, die die politische Arbeit für uns machen, diese Arbeit zu ermöglichen.

Wir haben den schönsten Beruf der Welt!! Wegzufliegen mit der Musik, wenn das Orchester unter unseren Füßen ist, bleibt unvergleichlich kostbar und beflügelnd.

Und wir sollten alles dafür tun, dass er uns erhalten bleibt und wir ihm erhalten bleiben.

In diesem Sinne,

bis bald,

Hedwig

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hedwig fassbender
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