24. Juli 2026

PACKEN

Ein paar Gedanken zu einem lästigen Thema

PACKEN

The English version is here

Ich weiß nicht, was schlimmer ist: einpacken, während du am Ende langsam die Kontrolle verlierst und random noch dies und das in den Koffer wirfst, auspacken am Zielort, wieder einpacken (plus die Sachen, die du noch gekauft hast) oder zu Hause wieder alles auspacken und versuchen, schnell alles zu waschen, trocknen, eventuell bügeln, bevor du wieder los musst/darfst oder versuchst, dich zu Hause einzugliedern in die Gemeinschaft der Menschen/Tiere/Pflanzen/Dinge, die auch ohne dich ganz gut zurecht gekommen waren in der Zwischenzeit.

Zum Packen gibt es ein paar unumstößliche Wahrheiten:

  • Egal, wie groß der Koffer ist, er wird randvoll sein, wenn wir fertig gepackt haben
  • Alles, was wir packen, müssen wir irgendwann tragen
  • Wir müssen nicht allen die volle Schönheit unseres Kleiderschranks zeigen

Packen ist und bleibt eine Tätigkeit, die wir nicht besonders gerne verrichten, um es einmal vorsichtig auszudrücken.

Ob wir nun für ein Gastspiel, also ca. 8 Wochen, eine Konzerttournee von mehreren Wochen oder für Konzerte mit ein paar Tagen Abwesenheit packen: irgendwas ist immer blöd!

ALLES, WAS WIR EINPACKEN, MÜSSEN WIR IRGENDWANN TRAGEN! –

sei es nur vom Gepäckband auf den Boden, beim Einsteigen in den Zug oder aber in die Gästewohnung in den 3. Stock ohne Aufzug. Und alles, was wir an Gewicht in schlechter Körperhaltung durch die Gegend wuchten, kann unseren Rücken belasten oder sogar schädigen; den brauchen wir aber zum Singen…Also sollten wir niemals sorglos packen!

An der Stelle eine Bemerkung zum Gepäckband: Koffer wegnehmen am besten, wenn du den Koffer fast vorbeifahren lässt und ihn dann mit geradem Rücken und mit einer Ausatmung zu dir ziehst, (also gegen die Fahrtrichtung), dabei ruckartige Bewegungen vermeiden!

Wenn wir ein Gastspiel haben, sind Wohnungen MIT Waschmaschine Gold wert!

Wie entkommen wir der Versuchung, noch dieses und jenes in den Koffer zu stopfen?

Wenn du mit dem Auto unterwegs bist, kannst du natürlich packen, was das Zeug hält…Aber wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, kommt um die eine oder andere Beschränkung nicht herum.

Ein paar Überlegungen:

GASTSPIEL/E:

  • Wer sieht unsere Privat-Kleidung? In den meisten Theatern gibt es Probenkleidung, d.h. dein outfit glänzt nur vom Pförtner bis zur Garderobe, lohnt sich das? Und niemand kennt die Kleidungsstücke, deren Anblick er/sie verpasst, weil sie zu zuhause geblieben sind…
  • Wo es keine Probenkleidung gibt: nimm einen dünnen Rock/eine leichte Hose mit und zieh sie während der Proben an. Wenn es keine Probenschuhe gibt, kannst du nach Schläppchen fragen oder dir selber welche mitbringen – die Privatschuhe beim Knien / Robben / Kämpfen zu ruinieren ist unnötig.
  • Farben: Beschränke dich auf zwei Grundfarben (eine hell, eine dunkel) und eine, max. zwei Accessoire-Farben. Ich musste über 60 sein, um das Prinzip endlich zu verstehen! Seit ca. 10 Jahren reise ich mit Schwarz, Weiß und Pink, klappt super! Es funktioniert natürlich auch mit Dunkelblau und Beige + einer Farbe / Crème und Bordeaux + einer Farbe, was auch immer dir am besten steht. Früher hatte ich alles Mögliche dabei: noch den schweren grünen Hoodie, den ich so mag, die gemütliche Jogginghose (die den halben kleinen Koffer füllt), die schöne Seidenbluse, die lustige Hose, das schicke Kleid für den Fall, dass, die passenden Schuhe, etc. etc.
  • Begutachte deine Kleidung schon beim Kauf nach Gewicht: Jeans sind schwer, dicke Pullis nehmen Platz weg, Schuhe sind der Endgegner!
  • Voluminöse Kleidung, die nicht viel Gewicht hat, kann man in Vakuumbeutel stecken, dann kann auch der gemütliche Fleece-Pulli mit.
  • Unterwäsche für 10 Tage reicht – danach waschen gehen.
  • In Sport-Klamotten kann man es sich auch gemütlich machen, dann kann die Jogging-Hose vielleicht zuhause bleiben.
  • Aber gemütliche Haussocken müssen sein!
  • Zwei Paar Schuhe (wovon du eins auf der Hinreise trägst) sollten reichen – plus die „guten“ für das Premieren-Outfit plus die Sportschuhe, das sind dann sowieso schon 4 Paar…
  • Lieber zwei T-Shirts mehr und dafür einen Pulli weniger. Du kannst Shirts unterm Pulli tragen oder unter einer Weste, dann musst du erstmal nur die T-Shirts waschen.
  • Müssen es drei Jeans sein? Vielleicht sind zwei plus zwei oder drei Stoffhosen genug? Wenn du Kleider/Röcke trägst, nimm entsprechend weniger Hosen mit.
  • Lege alle Kleidungsstücke aufs Bett, bevor du sie einpackst und schau nach, was untereinander kombinierbar ist, bevor du einpackst. Was sich nicht kombinieren lässt, darf gerne zuhause bleiben.
  • T-Shirts kann man rollen, Socken in Schuhe stecken, Hemden/Blusen (nicht rollen!) zuletzt flach obendrauf.
  • Toiletten-Artikel: Wenn du irgendwo zwei Monate bleibst – kauf Shampoo und Duschgel /Bodylotion vor Ort. Deine Haut-Cremes kannst du in leichtere Silikonbehälter packen, das spart Gewicht.
  • Schreibzeug/Tagebuch/Notizbuch: Bevor du packst, schütte den Inhalt deiner Handtasche/deines Rucksacks komplett aus (bei mir haben sich dann immer erstaunlich viele Stifte angesammelt) und nimm nur so viele Stifte mit, wie du wirklich benötigst!
  • Noten/Elektronik: Neben den Papiernoten für das Stück, das du probst/singst, nimm das Tablet/iPad mit, denn wenn eine Anfrage kommt, möchtest du schnell nachschauen können, ob du zu- oder absagen magst, außerdem kann man dann zwischendurch auch mal etwas anderes singen als nur das eine Werk. Hast du eine Abdeckung mit Tastatur, kann vielleicht der Laptop zu Hause bleiben, falls du deine Dateien in der Cloud/in Dropbox gespeichert hast und du nicht gerade ein Buch schreibst.
  • Ladekabel und Airpods/Kopfhörer nicht vergessen!
  • Lass ein bisschen Platz für die Sachen, die du noch kaufst;)
  • Frag im Vorfeld, ob du eine Yogamatte leihen kannst; wenn nicht, kannst du eine kaufen und für die Gastspielzeit benützen; der nächste Gast freut sich. Eine neue Yogamatte kostet weniger als ein Besuch beim Chiropraktiker;)

KONZERT-TOURNÉE

Hier wird dir keine Probenkleidung gestellt, du musst öfters ein- und auspacken und brauchst zwei Konzert-Outfits zum Wechseln plus Konzert-Schuhe. Der gute alte Kleidersack ist eine praktische Option; da passt alles rein, was man abends braucht, und es knittert nur wenig. (@ladies: nehmt Konzertkleider, die gut zu transportieren und knitterarm sind, wenn ihr auf Tournée geht). Wenn die Konzertkleidung wirklich einmal verknittert sein sollte, häng sie ins Bad in die Nähe der Dusche und lass heißes Wasser laufen oder mach das, während du selbst duschst – dann gehen die Knitterfalten bestens ‚raus. Natürlich kannst du auch ein Reise-Dampfgerät mitnehmen, aber das hat Gewicht und braucht Platz. In Hotels kannst du ein Bügeleisen leihen (immer nachsehen, ob die Unterseite in Ordnung ist und nicht ein anderer Hotelgast Rost, Kaugummi oder sonstiges darauf hinterlassen hat; auch die Dampf-Funktion unbedingt ausprobieren, bevor du das Eisen auf deine Kleider setzt…)

Sonstige Kleidung: versuche  ein Farbschema zu packen, bei dem du Dinge untereinander kombinieren kannst; nimm ein T-Shirt mehr mit für anstrengende / schweißtreibende Proben.

Toilettenartikel:
Du kannst Reisegrößen kaufen von deinen Standardartikeln (in Drogeriemärkten gibt es mittlerweile fast alles in Reisegrößen) oder umfüllen.
Deo: hier mag jede/r sein erprobtes und bewährtes Produkt. Kleiner Tipp: ich schneide vom refill meiner „Wild“-Deo-Creme eine dünne Scheibe ab und presse den Inhalt in ein kleines Schraubdöschen (Foto).

Schaumfestiger und Haarspray gibt es auch in Reisegröße. Hautcreme kann man umfüllen und nur so viel mitnehmen, wie man braucht. Abschminken geht gut mit einem Microfiber-Handschuh aus dem Drogeriemarkt, der wiegt fast nichts und funktioniert prima.

Schminke: Make-up-Base kann man umfüllen in kleine Silikon-Behälter oder Alu-Schraubdöschen, vielleicht braucht man nur zwei Lidschatten plus Kajal plus Mascara oder eine Reisepalette (das nächste Mal am Flughafen schauen, ob eine passt). Und müssen wirklich alle Lippenstifte mit?

Rasierschaum gibt es übrigens auch in Reisegröße.

Fön gibt’s im Hotel, Lockenstab musst du schleppen (gibt es eine Möglichkeit, die Haare hochzustecken?).

Schreibzeug und Noten, siehe oben.

Bücher: wiegen zu viel, nimm einen e-reader mit oder wirklich nur EIN Buch

Medikamente: Wenn du im Ausland unterwegs bist, heißen vertraute Medikamente oft anders oder sind nicht zu haben (Silomat Hustenpastillen sind z.B in Frankreich nicht zugelassen). Die Medikamente, die du nimmst, sobald du einen drohenden Infekt spürst, sollten immer dabei sein (Echinacea, Metavirulent, Meditonsin oder ähnliches). Auch der kleine Kalt-Inhalator von Omron o.ä. wiegt nicht viel und kann uns retten. Und dann hat ja jede/r von uns noch sein Geheim-Medikament für Notfälle. Unbedingt auch mitnehmen, selbst wenn es „nur“ Salbeiblätter sind – Infekte beginnen gerne spätabends oder am Wochenende, auf jeden Fall nie, wenn Apotheken geöffnet haben…

Koffergröße: Die Erfahrung zeigt, dass, egal wie groß der Koffer ist, er am Ende vollgepackt wird. Ein Riesenkoffer vermittelt eine falsche Unbeschwertheit, für die dann dein Körper durch Überforderung zahlt. Lieber gleich die mittlere Größe nehmen, da geht auch viel ‚rein, und noch einen kleinen Rucksack dazu nehmen. Meiner ist von Anvanda und tut auch während Probenzeiten seinen Dienst.

Portemonnaie: bringt unter Umständen auch Gewicht. Vielleicht tut es auch ein kleineres für die Reise/n? Muss das ganze Kleingeld mit?

Handtasche: am leichtesten sind die Sakazip vom Sommermarkt oder aber eine schöne Banane/Bumbag, das sind natürlich keine Design-Handtaschen, aber um ein wenig Geld, Telefon und Hausschlüssel mitzunehmen reichen die…

Regenschirm/Regenjacke sollte schnell greifbar sein, man weiß nie, wie sich das Wetter dreht.

Zu viel Gepäck belastet unsere Gesundheit – man kommt mit sehr wenig aus, wenn es sein muss: als ich meine Jakobsweg-Wanderung gemacht habe und mich für 2 Wochen auf 7,5 kg im Rucksack beschränken musste, habe ich gemerkt, wie gut das funktionieren kann und man trotzdem nicht verlottert aussehen muss. 7kg ist natürlich in unserem Job komplett unrealistisch, aber es müssen vielleicht auch nicht 25 sein!

Zum guten Schluss noch zwei amüsante Pack-Videos von Profi-Butlern, vor allem für das Packen von langen Hosen – enjoy:

hier ist eins für Carry-On

hier eines für einen größeren Koffer

Fröhliches Packen – lass das Riesenteil zu Hause!

Alles Gute und bis bald,

Hedwig

 

 

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hedwig fassbender
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